"Kleine Herde - große Titel"

So lautet der Artikel im Südwest-Teil der Tageszeitung "Rheinpfalz" vom 17. September 2014.

Momentan kläre ich noch mit der Rheinpfalz ab, ob ich den Artikel medienrechtlich hier auf unserer Webseite veröffentlichen darf. Im Moment ist es nur möglich, den "Teaser" des Artikels kostenlos auf der Seite der Rheinpfalz aufzurufen: http://www.rheinpfalz.de/nachrichten/titelseite/artikel/kleine-herde-grosse-titel/

Sollte jemand den genauen Inhalt des Artikels wissen wollen, kann er sich gern kurz per Mail bei mir melden.

 

Der Artikel in der "Rheinpfalz" ist sicherlich kein Artikel, der von vorn herein versucht, freikirchliche Gemeinschaften, die der Verfasser Christoph Hämmelmann als "schillernde Szene" bezeichnet, in einem positiven Licht darzustellen. Leider ist es dem Verfasser nicht gelungen, "neutral" zu berichten. Es ist ferner zu bedauern, dass der Verfasser uns bei seiner Recherche nicht angemessen einbezogen hat, weitgehend mit Belegen aus der Vergangenheit argumentiert oder alten, bestehenden Vorurteilen gegenüber freien, katholisch geprägten Gemeinschaften folgt.

Der Verfasser hat von mir lediglich ein Bild in entsprechender Auflösung angefragt, ein Interview mit mir selbst fand nicht statt. Aufgrund meiner eigenen Beobachtungen weiß ich, dass Christoph Hämmelmann den größten Teil seiner Vorinformationen zum Artikel, vielleicht auch die Idee an sich, von einem früheren Kommilitonen aus der Zeit meines Theologiestudiums in Paderborn hat. - Dieser schreibt sehr viele kritische Artikel zu allem, was nicht römisch-katholisch oder nach seinem "Gusto" nicht katholisch ist und ihm nicht gefällt.

Der Verfasser hat leider Recht mit seiner Wahrnehmung, dass den meisten vaganten Kirchen die kirchlichen Titel sehr wichtig sind, er nennt das "Titelhuberei". Es ist kein Geheimnis, dass mein geschätzter Vorgänger selbst großen Wert darauf legte. Nach seinem Tode im Januar diesen Jahres habe ich mich im Sinne der Tradition und Kontinuität in einem ersten Schritt entschieden, den Titel des Erzbischofs beizubehalten, die weiteren Titel jedoch unmittelbar zu streichen. Zunächst gab es die Überlegung, auch auf das „Erz-„ direkt zu verzichten, es war mir jedoch wichtig, unsere Gläubigen nicht zu irritieren und Neuerungen behutsam und überlegt anzugehen. Wir werden uns auch noch Gedanken über den künftigen Umgang mit kirchlichen Titeln machen.

Es geht der unabhängig-katholischen Kirche auch nicht nur um Neuerungen, sondern im Ganzen um eine „Erneuerung“, das ist ein umfassender Prozess, der vor allem eine geistliche Dimension hat. Eine wirkliche Erneuerung kann nicht überstürzt geschehen, nicht mit der Holzhammermethode oder einem Rundumschlag.

Wir sehen uns in einer katholischen Tradition. Dieser Tradition folgend haben wir erst einmal auch Titel und Bezeichnungen übernommen, die es auch in der katholischen Kirche so gibt, die es genau so aber auch z.b. in der Orthodoxie oder bei Anglikanern gibt.

Persönlich lege ich im Alltag keinen Wert darauf, mit dem Titel angesprochen zu werden. Ich mag das nicht, ich habe ja auch einen Namen und möchte auch mit diesem Namen angesprochen werden. In persönlichen Kontakten sag ich das auch direkt zu Beginn. Im Berufsleben und auch privat trage ich normale Zivilkleidung und bin nicht als Bischof erkennbar. Ich hoffe, dass man mich in Gesprächen und durch mein Handeln als geistlichen Menschen wahrnimmt, nicht durch klerikale Kleidung oder durch Titel.

An einem Titel im Sinne der kirchlichen Tradition ist an sich durchweg nichts Schlechtes zu sehen, es ist dabei immer entscheidend, was denn in geistlicher Hinsicht in so einem Titel ausgesagt ist, es geht nicht um „decorum“, es geht nicht um persönliche Ehren, es geht nicht um Machtanspruch.

In der unabhängig-katholischen Kirche haben wir demokratische Strukturen entwickelt, alle wichtigen Entscheidungen werden mit den Mitbrüdern besprochen bzw. durch gewählte Gemeindeglieder entschieden.

Wenn der Verfasser dort also von Titelhuberei und Machtanspruchsdenken spricht, so geht das an der Realität in der unabhängig-katholischen Kirche vorbei. Wir sind eine kleine Herde, das stimmt, und eine, die sich vom Geist Gottes getrieben weiß, die zu den großen Kirchen ganz bewusst eine Alternative anbieten will - die Entwicklungen der letzten zwölf Monate sind ermutigend; es hat sich vieles getan, einiges steckt noch in den Kinderschuhen, aber wir sind auf einem guten Weg.

Wir freuen uns, wenn Sie sich an unserem Weg der geistlichen Erneuerung mit Anregungen aktiv beteiligen möchten. In meinen Pfingstgedanken sagte ich es bereits: Er, der Heilige Geist, schenkt seine Kraft jedem einzelnen Menschen, wie auch der Gemeinschaft der Glaubenden und auch den einzelnen Kirchen.

Der Geist ist es, der vorantreibt.

Karl-Michael Soemer

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Kommentare: 1
  • #1

    Ole Diestelhorst (Samstag, 14 Oktober 2017 00:10)

    Sehr geehrter Herr Soemer,
    ein sehr guter Artikel. Ich unterstütze ihre Meinung zu Titeln und Posten. Als kleine Kirche sollte die UKK eine flache Hierarchie behalten. In einer christlichen Gemeinschaft sollten alle gleich sein. Und einen ehrbaren Menschen erkennt man an seinem Handeln, nicht an seiner Kleidung, seinen Titeln, seinem Auto oder anderen Statussymbolen.