Diakon trifft... - Lara Heidtmann

Frau Heidtmann ist Bestatterin. Diakon Carsten Kempen hat sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und im Rahmen der Reihe "Diakon trifft..." mit Frau Heidtmann korrespondiert.

 

 

1. Wie sind Sie zu der Entscheidung gekommen, Bestatterin zu werden?

 

Ich habe mich schon früh mit dem Thema "Tod" auseinandergesetzt und hatte diesbezüglich auch die volle Unterstützung meiner Eltern. Die Themen "Tod und Sterben" waren in meiner Familie also nie Tabuthemen, so wie es leider in vielen Familien der Fall ist. Ich habe mich sehr gut über die beruflichen Aufgaben eines Bestatters informiert und bin dann recht früh, auch durch die Unterstützung meines Religionslehrers im Gymnasium, zu der Entscheidung gekommen, dass ich Bestatterin werden möchte. Ich sehe den Beruf des Bestatters als einen sehr interessanten und vielseitigen Beruf. Der Aufgabenbereich des Bestatters/der Bestatterin, umfasst neben dem Umgang mit Verstorbenen und der Organisation von Beisetzungen und Trauerfeiern, auch sämtliche Bürotätigkeiten, wie zum Beispiel das Entwerfen von Traueranzeigen. Diese Vielseitigkeit des Berufes hat mich ebenfalls in meiner Entscheidung gestärkt.

 

 

2. Wie haben Freunde und die Familie reagiert, als Sie ihnen sagten, dass Sie sich zur Bestatterin ausbilden lassen?

 

Meine Familie, insbesondere meine Mutter, hat mich sehr in meiner Berufswahl unterstützt und bekräftigt. Natürlich waren einige Familienmitglieder etwas irritiert, als ich ihnen von meinem Berufswunsch erzählte, aber mittlerweile ist es für alle normal. Meine Freunde haben diesbezüglich ähnlich reagiert. Zu Anfang waren alle etwas geschockt und jeder hat mich gefragt, wieso ich gerade sowas machen möchte und ob ich es nicht ekelig fände, mit Toten zu arbeiten. Ich habe dann erklärt, dass zum Job des Bestatters noch viel mehr gehört als nur die Arbeit mit Verstorbenen. Mittlerweile ist das Interesse an meinem Beruf bei meinen Freunden und meiner Familie sehr groß und ich werde regelmäßig "ausgefragt", was ich aber auch als angenehm empfinde, da ich gerne über meinen Beruf spreche.

 

 

3. Am meisten sehe ich im Bestattungswesen männliche Mitarbeiter. Nimmt die Zahl der jungen Frauen, die als Bestatterin eine Ausbildung durchlaufen eher zu, was man als Außenstehender so nicht mitbekommt?

 

Ja, die Anzahl der Frauen, die sich zur Bestattungsfachkraft ausbilden lassen, nimmt tatsächlich zu. In meiner Berufsschulklasse und auch generell in meinem Jahrgang sind, hingegen jeder Annahme von Außenstehenden, mehr Frauen als Männer vertreten.

 

 

4. Ihnen begegnen beruflich bedingt tote Menschen und Angehörige, die wegen dem Verlust des Verstorbenen trauern. Woher beziehen Sie die Kraft, sich diesen traurigen Dingen Tag ein Tag aus zu stellen?

 

Ich bekomme viel Halt und Unterstützung von meiner Familie, aber in erster Linie beziehe ich die Kraft aus meinen Taten. Wenn sich die Angehörigen bei mir nach einer Trauerfeier für meine Unterstützung bedanken, oder wenn ich sie Monate nach dem Sterbefall irgendwo privat wiedertreffe und sie freudig und dankbar auf mich zukommen, gibt mir das ungeheure Kraft.

 

 

5. Es gibt bestimmt auch Todesfälle, die Sie berühren. Können Sie mit Ihren Kollegen über die belastenden Gefühle sprechen?

 

Ja, ich kann immer mit Kollegen sprechen und das machen wir auch zum Beispiel in unserer Mittagspause sehr oft. Nach Feierabend hilft es aber auch, sich bei der Familie oder Freunden auszusprechen.

6. Gibt es einen Todesfall in Ihrem Berufsleben von dem sie sagen, dass Sie diesen so schnell nicht vergessen werden, weil er Ihnen sehr nahe ging?

 

Ja, davon gibt es sogar mehrere. Besonders wenn Kinder betroffen sind geht mir das sehr nahe.

 


7. Was ist für Sie das Schöne an Ihrem Beruf?

 

Dass ich Menschen in ihrer Trauer vielleicht ein wenig helfen und sie unterstützen kann, indem ich sie betreue und ihnen einen würdevollen Abschied von ihren Verstorbenen bereite.

 

 

8. Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

 

Ich glaube, dass da nach dem Tod noch irgendetwas ist. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass dann plötzlich alles vorbei sein soll, aber ob es sich bei diesem "etwas" wirklich um "Leben" handelt, weiß ich nicht.

 

 

9. Als Kind wollte ich sein wie......

 

ein Pferd. Wild und frei...

 

 

10. Wenn ich einen Wunsch frei hätte dann....

 

würde ich mir wünschen, dass es keinem Menschen auf dieser Erde mehr schlecht gehen müsste.

Ich danke Ihnen, dass ich an Ihrem Interview teilnehmen durfte.

 

 

Vielen herzlichen Dank, dass Sie so offenherzig geantwortet haben und uns einen Einblick in Ihr (berufliches) Leben geschenkt haben.

 

 

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