Hilfsbereitschaft in der Not - Seelsorge im Mini-Zirkus

Bild von Håkan Stigson auf Pixabay

Das Licht geht an, Musik erklingt und das Spiel beginnt. Der Clown bereitet sich vor und legt seine Maske an, er schminkt sich ein strahlendes und lustiges Gesicht und sein bisweilen trauriges Gesicht verschwindet unter dieser lächelnden Fassade aus Schminke. Nach der Show geht der Clown wieder seinen ärmlichen Wohnwagen, legt seine Maske ab und es erscheint das traurige, mit Kummer und Sorgen erfüllte Gesicht eines jungen Mannes.
So ist es wohl jedes mal. Übrig bleibt eine Seele die erfüllt ist mit Trauer Sorge und Leid.

Liebe Geschwister,
Seit ein paar Tagen gastiert ein kleiner Familienzirkus mit 2 Personen, ein paar Ziegen, Tauben und Hunden in meiner Nachbarschaft.
Mir war gleich klar, diese Menschen leben in großer Armut, gequält von Ängsten und Sorgen um ihre eigene Existenz und um die Existenz ihrer Tiere.
Dieses Leid ging mir ans Herz, so dass ich in den ersten beiden Tagen beim Einkauf von Hundefutter für meinen Hund auch gleich Futter für die Tiere des Zirkus mitkaufte und dieses dort abgab.

Es blieb jedoch nicht beim Abgeben der kleinen Unterstützung. Mit Gottes Hilfe war es mir möglich, auch die Menschen zu berühren, denen die Zirkusleute nicht egal sind. Es gelang, für ein paar Tage die Artisten aus dem Außenseiterstatus heraus in das Leben einiger Menschen unseres kleinen Ortes zu integrieren. Dank dieser Menschen war es möglich, den Zirkusartisten, und nicht nur den Tieren, zu helfen.

Freunde aus unserer Seelsorgeregion schenkten Kleidung, Geld und Nahrungsmittel für Mensch und Tier.
So durften wir erfahren, wie schön es ist, zum Segen für die Menschen zu werden, die am Abgrund ihrer Existenz stehen.

In den Gesprächen mit den beiden Zirkusartisten sprachen wir auch darüber das ich Priester bin. Es stellte sich heraus das auch sie Christen sind, die Gott lieben und ihre Hoffnung auf ihn setzen.
So habe ich auch heute Abend viele Stunden in der regnerischen Kälte diesen Dienst an sehr liebenswerten Menschen tun dürfen.
In den Gesprächen war zu erspüren, dass ihre Herzen so voll Liebe und Geistesgabe ist, dass ich persönlich überwältigt bin. Sie leben für die Menschen, und ihre Tiere. Sie gehen so weit, dass sie selbst noch das letzte geben würden was sie besitzen, damit es ihren Schützlingen gut geht.


Diese letzten Tage der gelebten Nächstenliebe und dem Dienst am Menschen hat in mir viel bewegt und mich innerlich noch einmal verändert.
Ich durfte durch diese Menschen Segen von Gott erfahren.

Gott hat mich wieder einmal gelehrt, was es heißt, ihm zu folgen - als Christ und als Priester.
Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Jesus begegnete mir durch meine Nächsten so überwältigend, dass ich jetzt noch innerlich vor Freude und dank zittere.


Für mich persönlich darf ich einige Dinge neu begreifen:
Ich darf wieder einmal neu sehen, was es heißt Priester und Diakon zu sein.
Als Priester bin ich Mensch, nicht ein besonderes und herausgehobenes Individuum Gottes.
Als Priester bin ich Diener, nicht Herr und Diktator.
Als Priester darf ich Liebe, Hoffnung und Glauben schenken.
Als Priester soll ich danach streben, Gott groß zu machen und nicht, mich über andere zu stellen.
Als Priester bin ich auch Hörer, nicht nur Sprachrohr.
Als Priester bin ich mitten in der Kirche und in der Gemeinde nicht vor oder über ihr.
Als Priester führe ich Menschen zu Jesus und nicht zu mir.
Als Priester bin ich bereitwilliger Geber ohne etwas zu verlangen.
Ein Priester darf nicht den Diakon in sich verlieren.
Ich hoffe und bete, dass wir alle Gott verstehen lernen und den Menschen helfen und dienen.


Gott mit euch!

 

Euer

Pastor Tobias Schüßler

 

(Unabhängig-katholische Kirche)