12 Fragen an Malte Kempen über seinen Bruder ,den Diakon

Malte Kempen
Malte Kempen

Malte Kempen, der Bruder von Diakon Carsten Kempen im Gespräch:

1.Wie war das, als Dein Bruder Dir von seinen Plänen für ein geistliches Amt zuerst erzählte? Wirkte das wie eine fixe Idee?

Die Entscheidung meines Bruders in den geistlichen Dienst zu gehen war keine Überraschung für uns. Die soziale Komponente meines Bruders war schon lange ein Markenzeichen seiner Persönlichkeit. Ich sehe diese Entscheidung eher als einen Traum, welches zu lange im Regal stand zu verstaubte. Nachdem aber in den Amtskirchen dieser Traum und Ruf nicht verwirklicht werden kann, kam durch die UKK neues Licht auf diesen Weg. Daher war die Entscheidung keine Überraschung, sondern eher eine Freude, dass durch die UKK endlich der Wille des Herrn umgesetzt werden konnte.

 

2.Wie glaubst Du hat sich die Entscheidung für Deinen Bruder entwickelt? Seid Ihr eine klassisch katholische Familie?

Mein Bruder und ich haben bereits als Kinder „Messe“ und „Priester“ gespielt. Interessanterweise aber nur die Messe, niemals Beerdigungen oder Hochzeiten. Manchmal habe mich aber über Sachen geärgert, wenn die Messe nicht so lief wie ich das wollte, so dass der Gottesdienst eher einem Exorzismus glich (lacht).

Damals hat er bereits auf sein erstes Messgewand gespart. Dies war aber teilweise auch nur eine Methode, um Taschengeld von unseren sehr katholischen Tanten zu bekommen. Damals spielte der Mammon also doch eine Rolle dabei. Außerdem waren wir beide Messdiener. Mein Bruder war aber immer weitaus aktiver in der Kirche als ich. Man kann also von unseren Familienhintergrund sagen, dass wir sehr katholisch waren, obwohl unsere Eltern nicht gerade viel mit der mangelnden Spiritualität und dem gutmenschlichen Komplex der Kirche im Rheinland anfangen konnten.  Teilweise hat uns unser Vater vor der katholischen Amtskirche gewarnt, wofür ich sehr dankbar bin.

3.Bekommst Du regelmäßig "die Leviten gelesen"?

Mein Bruder zitiert nicht wirklich aus dem 3. Mose (lacht), sondern ich sehe ihn eher als den „Apostel der Liebe“, daher hört man eher Stellen aus dem Johannes Evangelium bei Ihm.

 

4.Wendest Du Dich mit religiösen, theologischen oder auch spirituellen Fragen an Deinen Bruder, den Diakon?

Ja, das kommt vor. Da ich selbst auch über eine theologische Ausbildung verfüge, tauschen wir uns regelmäßig aus und planen gemeinsame Aktivitäten im sozial-missionarischen Bereich.

 

5.Gibt es für Dich qualitativ einen Unterschied zwischen Geistlichen, die nicht zu Deiner Familie gehören und Deinem Bruder?

Das kann ich so pauschal nicht sagen. Mein Bruder legt keinen Wert auf Macht, Titel oder Hierarchien für sich selbst, sondern möchte bei den Menschen sein. Das sieht man nicht bei allen „Geistlichen“, sind doch viele in diesen Ämtern eher im Fleisch (also im Ego) und nicht im Geist der Liebe.

 

6.Hat sich Euer Verhältnis in irgendeiner Weise geändert, seit Dein Bruder geweiht wurde?

Nein, wir haben aber nun noch mehr Themen zum gemeinsamen Austausch.

 

7.Wie hast Du persönlich das Weiheritual miterlebt?

Es war eine sehr schöne Weihe und ganz ein besonderer Moment für uns als Familie. Wir waren alle sehr stolz und aufgeregt.

 

 

Diakon Carsten Kempen
Diakon Carsten Kempen

8. Würdest Du Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen Deinen Bruder für geistlichen Rat empfehlen, oder wäre das für Dich eher seltsam?

Das kommt auf die Situation und Person an. Viele Menschen sind auf der Suche nach der Transzendenz, aber sie suchen nach Ersatz in einer Geistigkeit, die zu ihrem modernen Egoismus und Narzissmus passt, daher wollen viele nichts von der christlichen Botschaft hören, da es den Menschen an die Grenzen der „Selbstverwirklichung“ führt. Aber definitiv ja, im allgemein kann ich den Dienst meines Bruders nur empfehlen, besonders im Bereich der Eheberatung und der Trauerbewältigung.

 

9. Feiert Ihr gemeinsame Gottesdienste? Wie fühlt sich das an, den Bruder in der Rolle des Zelebranten zu erleben?

Meinen Bruder als Zelebranten zu erleben ist nicht merkwürdig, sondern sehr natürlich für mich.

 

10.Verträgt er es, wenn Du ihn auch mal humorvoll auf seinen Dienst in der Kirche ansprichst?

Ja. Anders würde er unsere Beziehung nicht überleben (lacht). Ich stelle sicher, dass er bodenständig bleibt und regelmäßiges „Charaktertraining“ erhält. Der „erste“ Diakon Stephanus musste weitaus mehr erleiden, daher darf Carsten sich über Witze nicht ärgern.

 

11.Angenommen, Ihr beide lauft durch Dublin und Carsten trägt sein Kollarhemd - welche Wirkung hat das auf Dich?

Solange er nicht immer komplett in Schwarz gekleidet ist, finde ich das super. Ich finde es aber auch sehr wichtig und richtig, wenn er ein Kreuz trägt. Ich halte nicht viel von Amtsträgern, die zwar ihr „Kostüm“ tragen, aber sich schämen, ein Kreuz zu tragen nur um Menschen zu gefallen.

 

12.Besteht für Dich ein Unterschied zwischen einem römisch-katholischen und einem unabhängig-katholischen Diakon?

Pauschal kann ich das nicht sagen. Es gibt auch klasse Diener in den Amtskirchen. Jesus sagte aber zu Petrus „Weide meine Schafe“. Nicht Petrus, der Macher, das Organisationstalent ist gefragt, sondern der Petrus, der Jesus lieb, hat und ihm auch im Alter und im Leid noch vertrauen wird. Dies ist kein Ruf, um eine Machtstruktur zu definieren, sondern in erster Linie ein Ruf an jeden Diener. Ich sehe in Deutschland zu viele Priester und Diakone, die sich als Selbstdarsteller mit einem Buchkasten voller politischer Klischees.

 

 

Der Mensch hat aber einen Hunger im Herzen nach Gott und nicht nach politischer Philosophie, da Gott „… die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, ohne dass der Mensch das Werk, welches Gott gewirkt hat, von Anfang bis zu Ende zu erfassen vermag“ - Prediger 3:11. Ich denke, der Dienst am Herzen des Menschen ist sehr wichtig, um auch genau diesem Hunger im Herzen zu begegnen.