Berufen zum ständigen Diakonat

Ansgar Maria Ungeheuer, der in der Kölner MCC ( Metropolitan Community Church ) aktiv ist, führte mit unserem ständigen Diakon Carsten Kempen folgendes Interview.
Ansgar Maria Ungeheuer: Warum bist Du Diakon ?
Diakon Carsten Kempen: Ich bin von Gott berufen worden, den notleidenden Menschen zu helfen. Der erste Ruf unseres Herrn habe ich vernommen und dachte, dass ich geträumt habe. In der darauffolgenden Zeit kamen die Rufe Gottes ihm und den Menschen zu dienen häufiger und ich erkannte, dass der himmlische Vater es ernst meint. Wenig später dann wusste ich für mich, dass ich denen dienen möchte, die den Liebesdienst der Kirche am meisten bedürfen. Es sind die Armen, die Kranken, die Verstoßenen, die Verfolgten und sonstige notleidenden Menschen. 
Ansgar Maria Ungeheuer: Willst Du noch Priester werden ?
Diakon Carsten Kempen: Diese Frage wird mir oft gestellt. Sie lässt sich aber mit Nein beantworten. Jede oder jeder, die/der ein kirchliches Amt inne hat oder anstrebt sollte immer seiner Berufung und nichts anderem als seiner Berufung folgen. Der Schöpfer hat nicht "mehr" von mir gewollt, als das ich Diakon werde. Dieses Amt ist meine Berufung und ich führe es mit sehr viel Herzblut aus. Für mich gibt es kein schöneres Amt in der Kirche als das ständige Diakonat. Eine Kirche kann nicht nur aus Priestern bestehen. Der ständige Diakon ist aus meiner Sicht unentbehrlich für die Kirche. 
Ansgar Maria Ungeheuer: Gibt es in der UKK das Priestertum aller Gläubigen ? 
Diakon Carsten Kempen:  In Mose 2, 19.6 steht: Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Als Kirche und Geistliche glauben wir daran. 
Ansgar Maria Ungeheuer: Wie war Dein Theologiestudium ?
Diakon Carsten Kempen: Über einen Fernkurs in Theologie, den ich erfolgreich abgeschlossen habe, hatte ich die für mein Amt notwendigen und erforderlichen Kenntnisse erworben. Als Vater von vier Kindern und im Beruf als Vollzeitkraft beschäftigt, war der Fernkurs eine Herausforderung. An zwei Abenden in der Woche habe ich den Lernstoff durchgearbeitet und Hausaufgaben zu den einzelnen Lernbereichen geschrieben. 
Ansgar Maria Ungeheuer: Wie bist Du auf die UKK aufmerksam geworden ?
Diakon Carsten Kempen: Sowie sich heutzutage viele Liebespaare über das Internet kennenlernen, bin ich auch ich über das Netz auf die UKK aufmerksam geworden, in der meine kirchliche Heimat ist.
Ansgar Maria Ungeheuer: Wie siehst Du das Verhältnis von Homosexuellen und Kirche (n) ?
Diakon Carsten Kempen: Wer Jesus am Kreuz sieht, der sieht seine ausgestreckten Arme. Für mich ist das ein Zeichen dafür, dass er die ganze Welt und alle Menschen dieser Erde umarmt. Diese Umarmung gilt für alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Ich kenne sehr viele Homosexuelle, die in der Kirche als Gläubige Halt suchen und diesen Halt soll die Kirche auch geben. In der Gemeinschaft mit Gott ist Platz für jedermann. Die UKK hält allen Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung die Kirchentüren offen. 
Ansgar Maria Ungeheuer: Warum bist Du aus der römisch-katholischen-Kirche ausgetreten ? 
Diakon Carsten Kempen: Ich bin ein liberal konservativer Zeitgeist, wo aber eher das Liberale überwiegt. Noch vor meiner Weihe zum Diakon war ich kein Befürworter davon, dass es ein Pflichtzölibat für Priester gibt. Dafür das Geschiedene von der Kommunion ausgeschlossen sind oder nicht wieder kirchlich heiraten dürfen empfand ich als ungerecht. Da eine Veränderung zu Gunsten des eben genannten Personenkreises nicht zu erwarten war, habe ich beschlossen die römisch-katholische-Kirche zu verlassen, da ich mich mit ihren Ansichten nicht mehr identifizieren konnte. Auch der Umgang mit Homosexuellen gestaltete sich nicht im Namen der Nächstenliebe, was noch ein weiterer Beweggrund war, um aus der Amtskirche auszutreten. 
Ansgar Maria Ungeheuer: Wie siehst Du die Ordination von Frauen ?
Diakon Carsten Kempen: Die Ordination von Frauen zur Diakonin oder zur Priesterin befürworte ich sehr. In der UKK werden auch Frauen zur Diakonin oder zur Priesterin geweiht. Sie bereichern die Kirche und vor Gott sind wir alle gleich, auch was das Innehaben eines Kirchenamtes betrifft. Gott hat die Frauen, die ihren Dienst in der Kirche versehen genauso dazu berufen, so wie er auch Männer dazu berufen hat. Und es ist gut so, dass er es tut. 
Ansgar Maria Ungeheuer: Was hältst Du von  der anglikanischen Kirche ?
Diakon Carsten Kempen: Ich verehre den emeritierten Bischof Desmond Tutu für sein Engagement im Kampf gegen die Apartheid. Über ihn habe ich als Südafrikaliebhaber viele Bücher gelesen, in denen auch viel über seine Kirche gesagt wird. Ich sehe vieles, das uns verbindet. Sie ist eine seriöse christliche Gemeinschaft und ich bin auch offen, was eine ökumenische Zusammenarbeit mit ihr betrifft.